Die Synthese basiert auf der Auswertung der Szenarien anhand der Beteiligung sowie einer SWOT-Analyse. Hierbei wuchs die Erkenntnis, dass alle drei Szenarien positive Inhalte besitzen, die es gilt, in der Synthese zu integrieren. Zugleich wurde das Szenario des Kreativquartieres in der Beteiligung als auch in der SWOT-Analyse am positivsten bewertet. Daher wurde dieses als Grundlage genutzt, in welches die anderen Szenarien mit einfließen.
Insbesondere die hohe Nutzungsmischung im Kreativquartier wurde positiv bewertet, ebenso wie der soziale Charakter des Szenarios. Neben einem vielfältigen Sport- und Freizeitangebot, welches möglichst viele Menschen im Stadtteil ansprechen könnte, wird auch ein gemeinschaftliches Wohnangebot in der Synthese integriert. Der Vorschlag, durch den Erhalt von alten Industriegebäuden und den prägenden Rohren identitätsstiftende Elemente zu erhalten, wurde im Rahmen der Beteiligung sehr positiv bewertet und wird daher in der Synthese umgesetzt. Zudem wurde darauf Wert gelegt, die Raumaufteilung im Quartier klarer zu gestalten und die Wegeverbindungen nach außen – zum Beispiel zur Ennepe – einladender zu gestalten. Ebenfalls von Bedeutung war die unabhängige Entwicklung des westlichen Teilgebietes, welches der AVU gehört. Dies war zuvor in zwei Szenarien bereits versucht worden, galt für die Synthese aufgrund der Beteiligungserkenntnisse jedoch als Bedingung.
Aus dem Greentech-Szenario wurden ebenso wesentliche Elemente extrahiert: Zwar ist die Etablierung einer Hochschule von vielen Beteiligten als „zu groß“ bezeichnet worden, trotzdem wurde der Campus-Ansatz positiv bewertet. Angesichts des derzeit eher geringen Bildungsangebots – es besteht lediglich ein Mindestangebot – könnten erweiterte Angebote der eher gering qualifizierten Bevölkerung helfen. Hierzu wird in der Synthese statt einer Hochschule vorwiegend auf die bestehenden Akteure in Gevelsberg gesetzt. Ebenfalls wurde der hohe Gewerbeanteil positiv bewertet, wenngleich für die Synthese eine nutzungsgemischte Struktur vorgesehen wird. Insbesondere die Idee der Etablierung von Urbaner Landwirtschaft wurde positiv angenommen und wird daher integriert.
Das Szenario der Freizeit-Landschaft wurde besonders aufgrund der starken Integration lokaler Akteure positiv bewertet; im Rahmen der Synthese wird dieser Ansatz weiter vertieft. Es sollen bürger:innennahe Orte entstehen, welche die bestehenden Strukturen im Stadtteil aufgreifen. Auch das hohe Maß an Begrünung wird in die Synthese integriert. Statt flächendeckender Begrünung werden jedoch vorwiegend Elemente vorgesehen, welche sich auch städtebaulich in die Umgebung einfügen.
Das neue Quartier beginnt mit einem prägnanten Gebäude an der Hagener Straße: neben einem fußläufigen Eingang schmiegt sich ein längliches Gebäude mit urbaner Landwirtschaft – die Produktion wird hierbei durch eine Verglasung des Gebäudekörpers sichtbar gemacht. Entlang des Gebäudes wird man auf einen Quartiersplatz geführt, an dem sich das Gelände teilt.
Im Westen entsteht auf der Fläche des AVU-Geländes ein gewerblicher Schwerpunkt, im Osten auf der ehemaligen Dieckerhoff-Fläche ein kreatives und aktiver Bereich. Da sich der westliche Teilbereich im Besitz der AVU befindet, welche derzeit keine Absichten verfolgt, ihren Betriebshof aufzugeben, stellt die Seite eine Option für die Zukunft dar. Die Entwicklung des östlichen Dieckerhoff-Raumes kann dagegen zeitnah eingeleitet werden, da die Fläche durch die Insolvenz des Unternehmens nicht genutzt wird. Von dem Mittelpunkt gehen in alle Richtungen fußläufige Wege ab, welche durch prägende Alleen eingerahmt werden.
Der östliche Teilbereich wird durch den sogenannten „Showroom“ eingeleitet, einen gläsernen Anbau an den langen Dieckerhoff-Riegel. Hier können beispielsweise Ausstellungen stattfinden oder sonstioge öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen stattfinden. Damit nimmt der Showroom Bezug zu dem Riegel, in dem neben Co-Working-Spaces auch Ateliers und Creative Labs entstehen. Zudem werden Fernstudienräume integriert, zum Beispiel für Studierende an der Fern-Universität Hagen. Die beschriebenen Maßnahmen sollen den Erhalt von Fachkräften in der Stadt fördern. Als städtebauliches Highlight wird zudem der hohe Aufbau auf dem Riegel als Kletterturm umgenutzt; mit einer aufwändigen Beleuchtung und Begrünung wird der Turm zudem auch als Landmarke ausgebildet.
Durch den Erhalt der ehemalig industriell genutzten Rohre , welche das Quartier in verschiedene Teilbereiche teilen, wird der östliche Bereich geprägt. Die Rohre werden begrünt; der Quartiersplatz wird durch einen Wasserspielplatz der Firma Roigk sowie einer Parkouranlage bespielt. Im Osten des Platzes befinden sich mit ehemaligen Silos und einem alten Turm weitere Industriedenkmäler. Diese werden ebenfalls begrünt und bei Dunkelheit angestrahlt.
Im Norden wird der Platz durch diverse öffentliche Nutzungen eingerahmt, welche sich hauptsächlich in umgenutzten alten Industriegebäuden befinden. Auf den Platz gehend befindet sich zuerst ein Gastrobereich, der an eine „Eventscheune“ angegliedert ist. Die ehemalige umgenutzte Halle kann zum Beispiel für Märkte und Streetfood-Veranstaltungen dienen und wird durch einen Platz für Außengastronomie eingefasst. Daneben befindet sich ein Jugendtreff, welcher räumliche Bezüge zur gegenüberliegenden Parkouranlage herstellt.
Im Nordosten des Platzes befinden sich zwei große Hallen, in denen die Kirmesgruppen ihr neues Zuhause finden. Durch die Lage am Quartiersplatz werden sie deutlich sichtbarer als zuvor, was die Bedeutung der Kirmesgruppen für die Stadt hervorheben soll. Ergänzt werden die Hallen im Osten durch ein kleines „Containerdorf“, das an die bisherige Struktur an der Ennepe erinnert. Zudem werden diverse Sportnutzungen in dem Bereich etabliert, darunter eine große Sporthalle, ein Basketballplatz und ein Bereich für Fitnesstraining.
Für den Hundespielplatz wird – wie in zwei Szenarien – die Etablierung von Wohnnutzungen vorgesehen. Gemäß der Beteiligung werden an dieser Stelle inklusive Wohnangebote vorgesehen. In einem Hof aus insgesamt drei Gebäudeeinheiten werden Mehrgenerationenwohnen und eine inklusive Wohneinheit kombiniert. Neben einem zentralen Spielplatz entsteht ein Gemeinschaftshaus, um der gemeinwohlorientierten Wohnnachfrage Rechnung zu tragen. Vorstellbar sind hier Baugruppen-Modelle oder eine zentrale Entwicklung und Vermietung durch den Bauverein Gevelsberg, welcher sich als zuverlässiger Partner der Stadt Gevelsberg etabliert hat.
Der westliche Bereich des Quartiers, welcher derzeit von der AVU als Betriebshof genutzt wird, könnte mittelfristig als neuer gewerblicher Schwerpunkt ausgeprägt werden. Neben einem Gebäude für Start-Ups wird ein Gewerbehof etabliert, an dem sich bestehende Handwerksbetriebe und andere Gewerbetreibende niederlassen können. Sozialer Mittelpunkt ist in diesem Bereich der Generationencampus, auf dem diverse Bildungsangebote in einem Haus zusammengebracht werden. Von einer Kindertagesstätte über eine Musikschule bis zur Volkshochschule werden an diesem Ort alle Altersgruppen zusammengebracht; ergänzend hierzu wird eine Mensa für das Quartier und den Stadtteil etabliert. Mit einer DIY-Werkstatt für die Menschen des Stadtteils wird zudem ein weiteres kreatives Freizeitangebot geschaffen.
Das Gemeindehaus, dessen primäre Nutzung von der Kirche aufgegeben wird, soll zukünftig weiterhin soziale Funktionen übernehmen. Neben einem Generationentreff wird hier das Quartiersmanagement etabliert, welches sich um zentrale Fragen der Entwicklung des Stadtteils kümmert und für Bürger:innen als zentrale Anlaufstelle fungiert.
Angrenzend befindet sich zudem die Mobilitätsstation am Nahversorgungszentrum, wo neben Bike- und Car-Sharing-Angeboten auch Drohnenlandeplätze entstehen, die beispielsweise für mobilitätseingeschränkte Menschen zur Versorgung eingesetzt werden können.